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Juni 2016: ApplePay in der Schweiz – Der erste Schritt zur Invasion?

26.02.2017 16:25 |

Newsletter des CC „ Sourcing in der Finanzindustrie" 
ApplePay in der Schweiz – Der erste Schritt zur Invasion?

Liebe CC Sourcing Community

Anfangs Juni 2016 kam die schon lange erwartete Ankündigung aus dem sonnigen kalifornischen Cupertino: Der branchenfremde Gigant steigt mit Apple Pay ins Schweizerische Bankengeschäft ein und mischt die Karten auf. Aber was ist von dieser Ankündigung zu erwarten? Ist das der erste Schritt der Invasion durch Non-Banks?

Einfach eine weitere Bezahl-App – aber mit neuem Level an Convenience

Erst einmal ist Entwarnung angesagt: Apple Pay ist eine Bezahl-App. Wie schon TWINT oder Paymit liegt der Fokus in der Zahlungsabwicklung am Point-of-Sale (POS). Und auch Apple Pay basiert weiterhin auf den etablierten Kartensystemen. An eine Ablösung des Bankkonten-basierten Zahlungsverkehrs ist daher nicht zu denken. Keine Gefahr für die Bankenwelt also?

Die Gefahr von Apple Pay liegt nicht in der unmittelbaren Funktion, sondern in der kanal- und deviceübergreifenden Integration. Während wir im Banking über Cross Channel-Management-Ansätze diskutieren und mit E-Banking, Mobile-Banking und Apps wenig integrierte und funktional abgeschlossene Silos im Markt platzieren, zeigt uns Apple, wie sich Convenience im tagtäglichen Zahlungsverkehr unserer Kunden anfühlt: Handy zücken und Fingerprint. Den vor lauter Karten überquellenden Geldbeutel schicken wir in Pension, die Uhr am Handgelenk oder das Handy in der Hosen- resp. Handtasche erledigt das alles: online, offline, immer und überall.

Zugegeben: Ganz dort ist Apple noch nicht angelangt: Auch Apple steht vor dem Problem der geographischen Verbreitung der Technologie. Aber wie löst Apple dieses Problem?

Kooperation als Innovationsbeschleuniger

Nicht, dass wir Apple nicht zutrauen, weltweit Technologie zu verbreiten. Apple weiss aber, dass die erforderliche Geschwindigkeit im Markt nur mit Kooperationen erreicht werden kann:

 

  • mit Banken, welche ihr Karten- und Kontosortiment aufschalten 
  • mit ATM-Herstellern, welche Apple Pay integrieren und auch Barauszahlungen zulassen 
  • mit POS-Lieferanten, um Apple Pay am Verkaufstisch zu ermöglichen 
  • mit Kartennetzwerken und Online-Shops, um Apple Pay als Online-Bezahlungsart zu ermöglichen

 

 

 

Kooperation ist eine wesentliche Fähigkeit, die Apple über die vergangenen Jahrzehnte aufgebaut und perfektioniert hat – von der Fertigung über den Vertrieb bis hin zur kundenorientierten Ausgestaltung von conveniencefähigen Lösungen. 

Wird Apple damit zum ernstzunehmenden Konkurrenten für Banken?

Wie Apple in den Banking-Markt eintreten würde

Apple wird nicht als neue Bank auf dem Markt auftreten, das ist auch nicht notwendig. Eingebunden in das deviceübergreifende Kundenerlebnis wird Apple durch Kooperation Bankingkomponenten in übergreifende Services integrieren. Das eigentliche Bankprodukt tritt damit in den Hintergrund und ermöglicht die Realisierung eines übergeordneten Kundenbedürfnisses. Damit realisiert Apple den Kundenwunsch nach Vereinfachung: Es funktioniert einfach. Beispiele:

 

  • Apple könnte beim Bezahlen mit Apple Pay auf zu erwartende Liquiditätsengpässe hinweisen und automatisch Überbrückungsfinanzierungen anbieten. 
  • Aufgrund meines Zahlungsverhaltens und eines integrierten Personal Finance Management (PFM) bietet mir Apple automatisch eine zeitlich befristete, optimal auf mich zugeschnittene Anlagemöglichkeit. 
  • Aufgrund meines Verhaltens erkennt Apple, dass ich an einem anderen Ort eine Wohnmöglichkeit suche, und bietet mir automatisch passende Liegenschaften inklusive dazugehöriger Finanzierung (Miete/Kauf) und Zusatzservices (Umzug, Versicherung, etc.).

 

 

 

Apple weiss, dass das Bankengeschäft zu reglementiert ist, als dass man sich als neuer Player rasch etablieren könnte. Insofern wird Apple auch in Zukunft von Banken als Kooperationspartnern abhängig sein. Dennoch wird sich das Geschäftsmodell im Banking dadurch drastisch verändern: Klassische Bankdienstleistungen wie Anlage- oder Finanzierungsberatung werden hinfällig werden, sobald Convenience-orientierte, konfigurierbare All-in-Services am Handgelenk oder in der Hosen- oder Hemdtasche dies auf übergeordneter Ebene einfach und rasch erledigen. Indirekt werden Banken somit künftig in eine neue Rolle gedrängt.

Was sind die Szenarien für Bankinstitute?

Klassischerweise müssen sich Banken strategisch auf den Schwerpunkt einer kundenzentrierten Bank, einer transaktionsorientierten Bank oder einer produktebasierten Bank entscheiden. Viele Banken haben sich dabei als Kundenbank positioniert und erachten die Kundenschnittstelle als elementares Gut. Aber haben diese Banken auch die Fähigkeiten und Möglichkeiten, um bezüglich Convenience und Kundenorientierung mit anderen Anbietern mithalten zu können?

Hinter diesen Fragen steht die künftige Positionierung im Ecosystem: Kann ich es mir leisten, ein eigenes Ecosystem aufzubauen und dieses in der notwendigen Breite und Tiefe zu unterhalten? Oder soll (oder muss?) ich mich an bestehende oder entstehende Ecosysteme anschliessen? Fahre ich eventuell eine hybride Strategie und baue um meine Kern-Zielkunden ein eigenes Ecosystem und bin gleichzeitig bereit, mich an dritten Ecosystemen von Banken, anderen Finanzdienstleistern (z.B. Versicherungen) oder auch Non-Banks anzuschliessen? Welche Rolle nehme ich dann in diesem Ecosystem wahr und welches sind die neuen Herausforderungen, die daraus auf strategischer, prozessualer und IT-spezifischer Ebene resultieren?

Zur weiteren Lektüre rund um die Themen Digitalisierung, Big Data und Sourcing empfehlen wir folgende Artikel: 

Fazit

Apple Pay ist kein Markteintritt ins Banking. Aber es ist auch nicht davon auszugehen, dass Apples Appetit nach Bankleistungen mit der Anbindung an das Zahlungssystem erledigt wäre. Mit dem Verständnis von Convenience und kundenorientierten Services, mit den Fähigkeiten zur Kooperation und mit dem Willen und der Kraft, ein solches Ziel umzusetzen, wird Apple konsequent Schritt für Schritt weiter in die Kunden-Bank-Schnittstelle vordringen. Und andere Unternehmen werden Apple folgen.

Für etablierte Banken ist daher eine Auseinandersetzung mit der Positionierung im Ecosystem zwingend notwendig: Welche Rolle übernimmt die Bank in den künftigen Ecosystemen? Und wie kann ich meine Fähigkeiten passend zu dieser künftigen Rolle weiterentwickeln?

Die Frage nach dem Ecosystem und den Chancen und Möglichkeiten, aber auch den Grenzen und Risiken werden wir im nächsten Forschungszyklus des CC Sourcing intensiv bearbeiten. Jenen Banken, die sich bereits zur Teilnahme am CC7 entschlossen haben, garantiere ich spannende und zukunftsgerichtete Workshops mit vielschichtigen Fragestellungen und konkreten Lösungsansätzen.

Alle anderen Institute lade ich ein, uns bei der Ausgestaltung künftiger Netzwerke und Ecosysteme zu begleiten und den Austausch zwischen Forschung und Praxis zur Beantwortung der eigenen Positionierung zu nutzen.

 

Für die weitere Lektüre rund um die Themen Digitalisierung, Big Data und Sourcing empfehlen wir folgende aktuelle Artikel:

Partnern des CC Sourcing steht, neben diesem Auszug, der vollständige Newsletter mit allen Artikeln im internen Bereich zur Verfügung.

Mit den besten Grüßen aus Leipzig und St. Gallen. 

CC Sourcing Team:

Prof. Dr. Rainer Alt, Prof. Dr. Reinhard Jung, Dr. Pius Bienz, Marc Burkhalter, Dr. Michael Fischbach, Joseph Kaister, Chong Li, Sascha Hoberecht, Rebecca Nüesch, Patrik Solis, Christian Wilhelm, Ante Plazibat, Thomas Zerndt